Steiff Museum in Giengen an der Brenz

Steiff Museum in Giengen an der Brenz

Steiff Museum in Giengen an der Brenz
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Das hätte sich Margarete Steiff nie träumen lassen, dass ihr zu Ehren einmal ein Museum gebaut würde. Und selbstverständlich in ihrem Heimatort, in Giengen an der Brenz auf der Schwäbischen Alb. Sie war die Frau, die Stofftiere in die Kinderzimmer brachte und damit die Herzen der Kleinen im Sturm eroberte. Kannten sie bis dahin doch nur hartes Spielzeug aus Metall, Holz oder Porzellan.

Im März 2004 erfolgte der erste Spatenstich für das Museum, im Juni 2005 wurde die “Welt von Steiff” eröffnet. 2400 Quadratmeter Ausstellungsfläche, verteilt auf drei Etagen, beherbergen mehr als 2000 Ausstellungsstücke. Ins Fundament gegossen wurden Repliken des ersten Teddybären und des “Elefäntle”, das erste Spielzeug überhaupt, das Margarete Steiff 1879 für die Kinderwelt herstellte.

Die berühmten Teddybären mit dem Knopf im Ohr, die vermutlich auf jedem Kinderkissen liegen, kamen erst 1902. Dann aber traten sie einen unvergleichlichen Siegeszug um die ganze Welt an. Der Bär mit dem etwas sperrigen Namen 55 PB (55 steht für die Größe, P für Plüsch und B für beweglich) wurde bei der Leipziger Spielwarenmesse gezeigt. Anfangs fand das kuschelige Bärchen allerdings wenig Anklang. Erst am letzten Tag der Messe entdeckte ihn ein amerikanischer Händler und bestellte gleich 3000 Exemplare. In den USA wurde er 1906 auf den Namen Teddy getauft und wurde zum Verkaufsschlager.

Die spannende Geschichte rund um Margarete Steiff und ihre Tierwelt wird äußerst lebendig beim Besuch im Steiff-Museum, das als Erlebnismuseum auf dem Firmengelände der Margarete Steiff GmbH errichtet wurde. Ein Erlebnis ist es wirklich. Und zwar für Groß und Klein. Für die Kleinen ist es ein Ausflug in eine vertraute Welt, kennen sie doch die plüschigen Gesellen aus dem eigenen Zuhause. Und im Museum ist die Tierschar sogar in Lebensgröße zu bewundern. Für die großen Besucher ist das eine Reise in die Vergangenheit. Erinnerungen werden wach an den kaputt geliebten Teddy, der so oft Trost spendete und ohne den man nicht einschlafen konnte.

Richtig abenteuerlich wird es bei einer interaktiven Reise zum Planeten Plüsch. Die Teddys Knopf und Frieda machen sich auf die Suche nach ihren 3000 Geschwistern, die 1902 auf ihrer Reise nach Amerika verschwunden sind. Wie vom Erdboden verschluckt waren sie. Nachdem mithilfe der menschlichen Besucher das Geheimnis aufgeklärt werden, lernt man, wie so ein Teddy überhaupt entsteht. In einer Schaufertigung wird minutiös erklärt, wie in ebenso liebevoller wie aufwändiger Handarbeit das brummende Kuscheltier zum Leben erwacht. Na ja, jedenfalls zum Stofftierleben.

Aber Margarete Steiff hat nicht nur Elefanten und Bären produziert, sondern auch Hunde, Katzen und Pferde. Später wurde die Welt von Steiff um viele exotische Tiere erweitert. Und diese warten im zweiten Obergeschoss im weltgrößten Steiff-Streichelzoo auf Gäste. Giraffen, Löwen, Elefanten, Affen und Gorillas streifen durch geheimnisvolle Dschungellandschaften und nehmen die Knuddeleien und Streicheleinheiten der Kinder gelassen hin.

Inmitten dieser Großtierwelt aus Stoff steht eine Schlangenrutsche, die sich vom zweiten Obergeschoss hinunter ins erste Obergeschoss schlängelt. 15 Meter lang ist sie und damit die längste Plüsch-Rutsche der Welt. Unten angekommen landet man direkt in einem Bambuswald, wo weitere Tiere zum Spielen warten. Es ist ein Riesenspaß, dem selbst Erwachsene nicht widerstehen können.

Dass diese Tierwelt überhaupt entstehen konnte, grenzt fast an ein Wunder. Wenn man sich im Museum mit der Geschichte von Margarete Steiff beschäftigt, stellt man rasch fest, dass ihr Leben alles andere als einfach war. Im Alter von eineinhalb Jahren erkrankte sie an Kinderlähmung. Ihre Beine konnte sie gar nicht bewegen, der rechte Arm war sehr schwach. Operationen und Kuraufenthalte halfen nicht. Als sie 17 war, lehnte Margarete weitere Behandlungen ab. Sie verlor aber nie ihren Lebensmut und war der Sonnenschein der Familie, die sie enorm unterstützte. Der Vater richtete ihr eine Schneiderei ein, in der Margarete zusammen mit ihren Schwestern erfolgreich arbeitete. Dank der wachsenden Auftragslage konnte sie sich als erste im Ort eine Nähmaschine leisten. Und sie lernte Zitherspielen zur Stärkung ihrer Arme. Als sie 1879 in einer Modezeitschrift das Schnittmuster eines Elefanten entdeckte, der eigentlich nur als Nadelkissen gedacht war, machte sie kurzerhand daraus ihr erstes Stofftier, das “Elefäntle”. Damit war der Grundstein für das Steiff-Imperium gelegt.

Franz Steiff, einer der fünf Neffen von Margarete, entwickelte 1904 den berühmten Knopf im Ohr. Mit diesem geschützten Markenzeichen wollte er Nachahmungen verhindern. Anfangs war er mit einem Elefanten, dem “Elefäntle” versehen. Später wurde er durch den Schriftzug Steiff ersetzt. Wie sehr der Knopf im Ohr und die Steifftiere zusammengehören, zeigt sich sofort beim Betreten des Museums. Das ebenso markante wie harmonische Gebäude verkörpert nichts anderes als ebenjenen Knopf im Ohr.

Von all den aufregenden Begegnungen und Erlebnissen kann man sich schließlich im Bistro Knopf erholen, bevor man sich einen Blick in den Museumsshop gönnen sollte. Oder man geht gleich in das Factory Steiff Outlet, das sich direkt neben dem Bistro befindet, und stöbert dort nach Herzenslust zwischen den Stofftieren.

Sehr lohnenswert ist übrigens auch ein Besuch im Geburtshaus von Margarete Steiff, das Einblicke in ihr bewegtes Leben erlaubt. Das denkmalgeschützte Haus liegt nur wenige Meter vom Museum entfernt. Termine werden über das Museum vergeben, müssen aber eine Woche vor dem Museumsbesuch gebucht werden. Apropos Museum. Wer Lust hat, kann dort auch feiern. Ob Kindergeburtstag, Jubiläum oder Hochzeit, alles ist möglich. Selbst Tagungen und Kongresse können zwischen den Plüschteddys abgehalten werden.

Um Parkplätze muss man sich keine Sorgen machen. Es gibt genügend Plätze direkt beim Museum. Und wer mit der Bahn anreist: drei Minuten zu Fuß, und man steht vor dem Museumseingang.

Wer mehr Zeit in der Hauptstadt der Teddybären verbringen möchte, findet ganz in der Nähe des Museums Hotels. Da viele von ihnen auf Gäste eingerichtet sind, die eigens wegen des Museums kommen, begrüßen auf den Hotelbetten die schönsten Kuscheltiere der Welt aus der großen Steiff-Familie ihre kleinen und großen Gäste.

Tickets für 2 oder 4 Personen oder 1 Familie für das Steiff Museum in Giengen an der Brenz gibt es hier.

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